Daves traveler blog

Stanthorpe and so on

The Three SistersDer Anfang des folgenden Artikels wurde vor etwa einem Monat verfasst, und schlummert seitdem auf der Festplatte… Es ist wirklich viel viel passiert in der Zeit, aber wir haben jetzt endlich eine Bleibe für längere Zeit gefunden, aber dazu später mehr. – Viel Spaß mit dem neuen Artikel! Auch wenn es wirklich umfangreich werden wird, würde ich mich freuen, wenn du ihn zu Ende liest, und danach einen kleinen Kommentar hinterlässt. Auch nochmal Danke für die bisherigen Kommentare, es freut uns immer etwas von Deutschland zu hören.

 

Verfasst am 10.9.08

Hier kommt endlich wieder ein kleiner Bericht meiner vergangenen Woche(n). Allzuviel ist nicht passiert, doch gebe ich trotzdem eine kurze Zusammenfassung.

Unser Auto

Sonja und David sind jetzt stolze Besitzer eines Campervans. Unser weißer Nissan Vanette wurde 1991 gebaut und hat 230.000 km auf dem Buckel. Vorne gibt es zwei Sitze, Lenkrad, (auf der rechten Seite) Pedale und Aschenbecher, hinten ist ein großes Bett eingebaut und Stauraum für unsere Klamotten.

Direkt mit dem Van kam eine kleine Camping und Küchenausrüstung, die einen Gaskocher, Töpfe und Pfannen, eine große Kühlbox und Geschirr beinhaltet.

Gekauft haben wir den Van im Kings Cross Car Market, einschlägig bekannt dafür, Reisenden eine Plattform zum Auto Ver- und Ankauf zu bieten. Wenn man in Hostels geht, oder durch die Straßen von Kings Cross läuft, wird man von Angeboten erschlagen, ein Auto zu kaufen. Hier ist der Car Market gut: In diesem Parkhaus dürfen nämlich nur Fahrzeuge verkauft werden, die einen sogenannten PinkSlip haben. Das ist nicht etwa ein Teil der Damenunterwäsche, sondern eine Art Mini-TÜV. Ein Mechanischer Check, der alle Mängel auflistet.

Bei den Straßenverkäufen ist es wirklich leicht übers Ohr gehauen zu werden, beim Car Market wird das ganze etwas sicherer. Desweiteren sind die Autos gecheckt, ob irgendwelche Strafen auf den Autos lasten, oder ob das Fahrzeug sogar gestohlen ist.

In Australien werden Strafzettel nämlich nicht auf den Fahrer, sondern auf das Fahrzeug selber ausgestellt – kauft man ein Fahrzeug, hat man unter Umständen noch unbeglichene Strafzettel zu begleichen. Desweiteren hat uns das freundliche Personal in dem Car Market dann auch geholfen den Papierkram auszufüllen und uns noch ein paar Tips gegeben was gemacht werden muss, so haben wir zum Beispiel eine Versicherung abgeschlossen, die mehr als nur Personenschäden abdeckt. Auch dies ist nur im Car Market möglich, keine andere Versicherung versichert junge Reisende aus Übersee.

 

Wir haben uns in der vergangenen Woche dann damit beschäftigt den Van herzurichten. Zuerst einmal natürlich putzen und aufräumen, dies ist auf den Straßen Sydneys leider nicht so einfach, denn Parkplätze sind rar, und es ist auch nicht so toll die ganzen Arbeiten auf der Straße durchzuführen. Also sind wir an den zwei Tagen die David frei hatte hoch zu Helga gefahren.

Da uns die ganze Stauraumkiste aber nicht so gefiel, und wir eigentlich gerne eine kleine Ablage oder ähnliches in unserem Auto gehabt hätten, führte uns der Weg (nach einer einstündigen Diskussion wie unser Regal denn am besten anzulegen wäre) ins nahegelegene Bunnings. (Bunnings = OBI) Dort erfuhren wir einmal mehr die pure australische Freundlichkeit… Als wir unser Melamin Brett zum Zuschneiden trugen, trafen wir einen Mitarbeiter, und kamen mit ihm ins Gespräch. Er war total begeistert, dass wir aus Europa kämen, und erzählte uns, dass er irgendwie zu einem viertel Holländer sei. Er wäre gerne früher auch gereist, aber ihm ist eine schwere Krankheit dazwischengekommen, nun ist er verheiratet und hat Kinder, und kann demzufolge keine großen Reisen mehr machen, deswegen würde er uns sehr beneiden. Zusätzlich sei er quasi der Bereichsleiter in der Holzabteilung, was dazu führte, dass er uns das teure Melamin Brett als Schneideabfall deklarierte… Schneideabfall kostet 1 Dollar pro Stück…Mit unseren Regalteilen für insgesamt 4 Dollar ging es dann wieder zu Helga, wo wir dann auch in stundenlanger Arbeit ein anständiges und sehr robustes Regal zusammenzimmerten. Helga war derweil nicht davon abzubringen uns zu helfen, und hat eigentlich alle Stoffsachen, die wir besaßen (einschließlich unserer mit dem Van gekauften Bettwäsche) einmal durchzuwaschen.

Als wir dann einigermaßen fertig waren, sind wir zum relaxen zum nahegelegenen Shelly Beach gefahren, leider war das Wetter nicht unbedingt so schön wie erhofft, und ich konnte immer noch nicht schwimmen gehen. Dafür hat Sonja einen Anruf von der Agentur bekommen, dass sie Tags drauf anfangen könne zu arbeiten. Nachdem sie dort zugesagt hat, haben wir unsere Sachen gepackt und uns in Richtung Sydney aufgemacht.

Sonjas Arbeit besteht aus Fließbandarbeit, meist verpackt sie irgendwelche Medikamente in die Schachteln, leider wird sie viel viel höher bezahlt als David. Da erzählt mir noch mal einer was davon, das Männer mehr verdienen als Frauen :-)

 

Unsere nächsten Tage verbrachten wir eigentlich damit entweder unser Equipment aufzustocken (IKEA, ALDI, Woolworth, Coles, Kmart usw) oder zwischen Sonjas und meiner Arbeit zu pendeln. Sie arbeitet in einem nördlichen Stadtteil, was eine Fahrt von etwa einer Stunde einschließt. Die ganze Kiste hängt uns beiden aber zum Hals raus, da es verdammt nervig ist in Sydney ein Auto zu haben. Linksverkehr, 6-spuriger Verkehr, tausende Fahrzeuge, keine Parkplätze, verrückte Fußgänger, fremde Schilder… All das macht Autofahren in Sydney anstrengend. Obwohl ich mir die Umstellung von Rechts- auf Linksverkehr schwieriger vorgestellt hatte, kommt man doch sehr schnell gut zurecht.

Trotzdem ist es extrem belastend, auf der Straße im Auto zu campen. Natürlich ist es nicht erlaubt, aber wir sparen pro Tag etwa 40 Dollar dadurch. Wir können quasi nicht richtig kochen, unsere Sachen nicht auspacken und nicht draußen sitzen.

Deswegen haben wir jetzt auch aufgehört zu arbeiten. Davids letzter Arbeitstag war gestern, Sonjas letzter Arbeitstag ist heute, danach sagen wir noch kurz meinen liebgewonnenen Arbeitskollegen Goodbye, und dann führt uns der Weg in die Blue Mountains, westlich von Sydney.

Vorher müssen wir noch unsere Vorräte aufstocken, damit wir in dem Nationalpark nicht verhungern :-)

 

Geschrieben am 5.10.08

 

So, hier setzt dann der neue Tagebucheintrag an, in dem ich endlich wieder ein wenig Zeit habe, um etwas zu schreiben.

Momentan sitzen wir nämlich bei einem leckeren Schöfferhofer Weizen in unserem eigenen Wohnwagen, und hören ein wenig Musik. Wie es schlussendlich dazu gekommen ist, werdet ihr gleich erfahren.

Bei meinem wirklich supernetten Kollegen Eddi aus Kolumbien sind wir dann zum Abschied ein Bierchen trinken gegangen, durften nochmal duschen und wurden zum Abschied dann noch reich Beschenkt. Unsere Campingausrüstung wurde dann nämlich durch einen Klapptisch komplettiert. Außerdem trage ich seitdem ein Armband mit den Kolumbianischen Nationalfarben.

Unsere Route führte uns dann in die nahegelegenen Blue Mountains, westlich von Sydney. Im Dunkeln erreichten wir Glenbrook und campten dort auf dem großen öffentlichen Parkplatz. Frühmorgens ging es dann ins kleine Städchen Wentworth. Dort erwartete uns ein schwerer Wanderweg und der erste atemberaubende Ausblick auf den riesigen Nationalpark.

Wie das ganze ausgesehen hat, kannst du auf den Fotos in der Galerie sehen, es war einfach Natur pur. Der Höhepunkt dieses Tracks bildeten die Wentworth Falls, die wir natürlich hautnah erlebt haben (siehe Fotos).

Danach führte uns der Weg ein paar Kilometer westlich nach Katoomba, wo wir den Ausblick auf die bekannten „Three Sisters“ genießen durften.

 

The Three SistersDie Three Sisters sind eine Steinformation, und nach einer alten Sage hat wohl irgendein Zauberer die drei schönen Schwestern zu Stein verwandelt, um sie vor der Liebe von irgendeinem bösen Mann zu beschützen. Dummerweise ist der Nachwuchs-Harry Potter aber vorher gestorben, bevor er die drei zurückverwandeln konnte. Dumme Sache, aber wenn man sich die Felsen anschaut konnten die drei auf jedenfall nicht die hübschesten gewesen sein.

 

Weiter ging unsere lustige Fahrt im weißen Bulli zum höchsten Punkt in den Blue Mountains, nach Mount Victoria. Dort verbrachten wir die Nacht auf der Spitze des Berges mit unglaublichen Ausblicken. Die Route führte uns über die schöne „Bells side of Road“ mit super Ausblicken über die Täler, und einem kleinen Abstecher nach Mount Wilson, wo wir uns mit den Einheimischen unterhielten, einen kleinen Wasserfall besichtigten und die „Kathedrale der Farne“ betraten. David hat natürlich erstmal überall eine Hütte oder eine Kirche gesucht, bis ihm der Geistesblitz kam, dass er quasi mitten drin steht. Auch hier gibt’s wieder Fotos, die einen eher an Jurassic Park, oder einen Urzeitwald erinnern, als an Australien.

Am malerischen Hawkesbury River rasteten wir eine Nacht auf einem Caravan Park und fuhren am nächsten Tag weiter in Richtung Küste. (Diese Fahrt beinhaltete übrigens 3 Überfahrten mit der Fähre). Natürlich führte uns der Weg auch direkt wieder zu Helga, wo ein Freund von John, der als Mechaniker arbeitet, für günstige Konditionen unseren Van durchcheckte, da ich doch ein wenig Angst hatte, dass wir uns irgendwie umbringen könnten.

Im Endeffekt hat sich rausgestellt, dass der Wagen im großen und ganzen Okey ist. Den oben erwähnten PinkSlip hätte er uns jedoch niemals ausgestellt. Die Mängelliste beinhaltet irgend ein Lenkungsdingen, da wir ein relativ großes Lenkspiel haben, was einem ein Fahrgefühl von einem 40 Tonner, oder einem Traktor beschert. Desweiteren ein paar kleine Dichtungen und Reinigungsarbeiten. (Gerüchten zufolge kann man öfters ein paar Mängel aus den Pinkslips streichen, in dem man dem Mechaniker im Voraus ein großzügiges Trinkgeld spendiert…)

Nachdem die erste schwierige Stunde in Australischer Autohaltung beendet ist, kommt hier die zweite: Rein formell gehört der weiße Flitzer nämlich noch gar nicht uns. Dazu muss man wissen, das Australien in ein paar Staaten eingeteilt ist, die die Autoanmeldungen alle für sich selbst verwalten. Unser Van wurde im Bundesstaat Queensland registriert. Für uns als neue Käufer bedeutet dies, dass wir nach Queensland fahren müssen, einen mechanischen Scheck durchführen müssen, unser Auto umschreiben müssen, und dann zu gegebener Zeit die Rego (soetwas wie jährliche Steuern) zu verlängern. Alles recht kompliziert und kostspielig, aber da der Check jetzt gemacht war, und wir wussten, dass wir uns einigermaßen auf das Gefährt verlassen konnten, wussten wir was auf uns zukommt. Also auf zur großen Reise. Das nächste Ziel wurde dank einer Internet Jobvermittlung ausgemacht, die sagte, dass es unglaublich viele Jobs auf Hühnerfarmen geben sollte.

Tamworth mit grosser GitarreWeitab von größeren Städten liegt Tamworth, dessen einzigen Attraktionen die „große“ goldene Gitarre sind, sowie das Powerhouse Museum, dass den ziemlich langweiligen Fakt ehrt, die erste Stadt in Australien zu sein, die über elektrische Straßenbeleuchtung verfügt.

Da am Wochenende die Jobvermittlungen eh geschlossen haben, ging es dann als Wochenendausflug auf den Campingplatz des Split Rock Dam. Campingplatz im weitesten Sinne, da es erstens kostenlos war, zweitens kein wirklicher Campingplatz, drittens ein großer See mit Allradstrecken drum herum, und jeder konnte sich ein schönes Plätzchen zum Campen suchen. Auf dem Weg über die Strecke begegneten uns dann auch die ersten (lebenden) Känguruhs in Australien, eine Gruppe von etwa 6 Tieren hüpfte etwa 200 Meter von uns entfernt durchs Gebüsch. Dies war ein sehr bewegender Augenblick =) aber wir wussten nicht, wie alltäglich und nah diese hübschen Geschöpfe doch werden sollten. Die Nacht verbrachten wir also direkt am Wasser, wo David dann auch Abends seine ersten Angelversuche tätigte. Wie ihr euch denken könnt hab ich nichts gefangen, worüber ich auch ganz froh war, denn ich habe noch nie so einen Fisch ausgenommen. Am nächsten Tag ging es dann wieder nach Tamworth, wo wir relativ untätig noch ein paar Tage mit rumgammeln verbrachten und hofften, dass sich eine der vielen Agenturen meldet, die Jobs vermitteln. Da ein kleiner Laden in der „Innenstadt“ von Tamworth ein Plakat des Australischen Roten Kreuzes angeschlagen hatte, besann ich mich wieder meiner guten Manieren, und wir fuhren zum nahegelegenen Krankenhaus, damit man mich zur Ader lassen konnte. Die ersten Probleme gab es schon beim Ausfüllen des Fragebogens. In diesem Blutspendezentrum konnte man sich vor hilfsbereiten Schwestern jedoch nicht retten, und so wurde mir nicht nur leicht durch den Fragebogen geholfen, sondern wurden Sonja und ich mit Trinkpäckchen und Schlüsselanhängern versorgt. In dem kleinem Zentrum hatte sich jedoch rumgesprochen, dass sich ein deutsches Päärchen in das kleine Dorf Tamworth verirrt hatte. So wurden wir auf jeder Station meiner Blutspende interviewt und ausgefragt. Ab und an fühlte man sich wie eine bunte Kuh, jedoch waren die Leute überaus freundlich und ernsthaft interessiert. So verließen wir 500ml Thrombozyten später ausgestattet mit Keksen, Käsecrackern und Vanille Milkshakes die Klinik wieder, um zu unserer Lieblingsbeschäftigung zurückzukehrern – Gammeln. Nach einer Weile hatten wir das warten aber auch satt, und wir stiegen wieder in unsere weiße Rennrosine (130km/h schafft sie schon, leider sind die schnellsten Straßen in Australien um die 110 km/h, also nicht wirklich viel Möglichkeit die Spitzengeschwindigkeit zu testen) und die Reise ging wieder zur Küste, nach Coffs Harbour. Dort trafen wir dann auch auf die Freunde von Sonja, Hanna und Martin. Die zwei sind auch mit einem Campervan unterwegs, welcher aber ein wenig größer als der unsere ist. Nachdem ein wenig Erfahrungssaustausch stattgefunden hatte, entschieden wir uns den Abend auf dem großen Parkplatz direkt am Strand zu verbringen. Zwei Deutsche (mit Campervan) gesellten sich zu uns, und so eröffneten wir kurzerhand einen kleinen Campingplatz mit allem drum und dran. Als es etwas kühler wurde, quetschten wir uns alle in einen Van, und der Abend wurde recht alkoholisch, aber sehr lustig. Am nächsten Nachmittag, als der größte Kopfschmerz verflogen war, ging es entlang der Küste weiter gen Norden – Ziel: Yuraygir National Park. Trotz Davids Drängen sind wir ein wenig spät gestartet, und waren so erst nach Einbruch der Dunkelheit im Nationalpark. Da die vorige Nacht etwas länger war, ging es früh ins Bett. Am nächsten Morgen wartete eine tolle Überraschung auf uns. In der Dunkelheit des Abends hatten wir den schönsten Campingplatz des Parks gefunden, und wurden mit einer unglaublichen Kulisse belohnt. Sandstrand, blaues Meer, wunderbares Wetter und riesige Goannas (Varane). Der Tag lief also ganz relaxt ab, mit weiteren Angelversuchen von David und Martin, mit Sonnenbaden, Spinnenjagd und mit einem super Lagerfeuer am Abend, mit Stockbrot und leckeren Glutkartoffeln. Geplant war noch ein wenig im Park zu bleiben, in unserem tollen Campingbuch stand dieser Park als recht günstig beschrieben. Das wir eine alte Ausgabe haben, merkten wir, als der Ranger kam um das Geld einzusammeln… Nachdem wir sämtliche Moneten zusammengekratzt hatten und einen speziellen „Deutschlandrabatt“ von dem netten Mann bekamen, verließen wir den Platz und machten uns auf den Weg ins Landesinnere. Glenn Innes hieß das Ziel.

Australische Highways sind zwar am Anfang sehr interessant, nach einer Weile aber verdammt öde. Also suchte ich mit meinen Oberpfadfinder-würdigen Orientierungs- und Navigationskenntnissen eine etwas interessantere Route, und wurde prompt fündig. Eine kleine gestrichelte Linie stellte eine Nebenroute von Grafton nach Glenn Innes dar. (Gestrichelte Linie heißt soviel wie unversiegelte Straße, also quasi Lehm/Schotterstraße, engl. Dirtroad) Diese Strecke erwies sich wirklich als sehr interessant, in mehrerlei Hinsicht: Zum einen war die Landschaft wunderschön, abgeschieden, viele Tiere und alle 30km mal ein Briefkasten, zum anderen die Dirtroad welche einfach super staubig, und gespickt mit tiefen Schlaglöchern war. Als wir einen etwas größeren Fluss überquerten, fanden wir am Ufer eine wirklich super Stelle zum Campen. Also parkten wir die Vans am Ufer, buddelten (wieder pfadfinderwürdig) ein Loch um ein Lagerfeuer zu entzünden und verbrachten den Rest des Tages mit schwimmen im supercoolen Fluss. Ich bin wortwörtlich über meinen Schatten gesprungen, und habe mich nach langer Überredung getraut, von der Brücke zu springen.

Auf dem Weg zu unserer Raststätte sind uns schon vereinzelte Rauchfahnen aufgefallen, die wir als kleine Buschfeuer identifizierten. Da diese aber wirklich weit weg waren, kümmerten wir uns nicht weiter darum. Als ich Nachts dann aber aufwachte, und die Sterne nicht sehen konnte, wurde ich kurz panisch, unser gesamter Rastplatz war in Rauch gehüllt, die Sichtweite betrug vielleicht 2 Meter, und der Rauch brannte in den Augen. Also haben wir Hanna und Martin im anderen Van geweckt, um über eine Abfahrt zu diskutieren. Sie entschieden sich jedoch, wahrscheinlich weil wir sie aus ihrer Tiefschlafphase geweckt hatten, zu bleiben. Uns lies das ganze jedoch keine Ruhe, und so stellten wir uns stündlich den Wecker, um die Verhältnisse zu beobachten. Gegen Morgen lichtete sich der Rauch (wahrscheinlich gemischt mit Nebel) und verschwand dann wie von Geisterhand. Also fröhnten wir wieder des Schwimmens im kühlen Nass und fuhren Nachmittags weiter gen Glenn Innes. Leider lagen zwischen Campstätte und besagter Stadt etwa 90km Dirtroad. Unser Van steckte diese spielend weg, was man von dem Van von den andern beiden nicht unbedingt behaupten konnte.

Diese Dirtroads sehen recht solide aus, haben jedoch die blöde Angewohnheit auf der Oberfläche superfeinen Staub haben, der von den Reifen aufgewirbelt wird. In der „Fahrerkabine“ kriegt man das nicht so mit, aber sobald auch nur ein kleiner Spalt in der Tür ist, wird sämtlicher Staub in den Innenraum gezogen, und naja… das ganze schaut aus wie mit rot-braunem Puderzucker überzogen. Unser Hinterraum ist relativ dicht, doch Hanna und Martin hatten nicht solch ein Glück. Folge dessen war stundenlanges Putzen. Die Nacht verbrachten wir relativ unspektakulär auf einer Rest-Area in Glenn Innes, um früh am nächsten Morgen einen vorläufigen Meilenstein zu erreichen. Nach hunderten Anrufen bei der sogenannten Harvest-Hotline (diese vermittelt australienweit Jobs an Backpacker), bekamen wir endlich einen Job zugesprochen, mussten uns jedoch ersteinmal von Hanna und Martin verabschieden. Direkt auf der Grenze nach Queensland, in Wallangarra, sollten wir Apfelbäume beschneiden.

Diese Nachricht war mehr als erfreulich, insbesondere deshalb, dass mein Kontostand seit einiger Zeit eh nur rote Zahlen schrieb. Das Apfelbaumschneiden war durch ein sogenanntes Working Hostel organisiert. Diese Hostels haben einen Vertrag mit bestimmten Farmen. Nur derjenige der in dem Hostel wohnt, darf auf der Farm arbeiten, wer auf der Farm arbeitet, muss im Hostel übernachten. Da Arbeit für uns gleich Geld verdienen hieß, machten wir uns darüber keine Gedanken. Das Hostel an sich war sehr sehr abenteuerlich. Es handelte sich um eine alte Fleischfabrik, und der Hinterhof sah recht gruselig aus. Jede Menge rostige Fleisch-Häcksler und Geräte standen in der Gegend rum. Zum ersten Arbeitstag ging es dann am nächsten Morgen. Um 4 Uhr klingelte der Wecker, um 5 fuhr der Bus zu Plantage. Ausgestattet mit reichlich Wasser und einer Astschere und einer großen Aluminiumleiter rückten wir den Bäumen zu Leibe. Die Bäume haben unterschiedliche Größen, jedoch sind unsere meist in 3 bis 6 Meter Höhe gewesen, und waren verdammt umfangreich. Einen solchen Baum zu stutzen dauerte etwa 35 Minuten. Nach 9 Stunden schmerzhafter Arbeit ging es wieder in Richtung Hostel. Die erste Blase lies nicht lange auf sich warten und wurde direkt mit Pflaster abgeklebt. Am zweiten Tag machte sich große Ernüchterung breit. Die riesigen Bäume schienen endlos, und dauerten sehr lange. Da wir nicht per Stunde, sondern für die geleistete Arbeit bezahlt wurden, sah es recht düster für uns aus. Grob überschlagen arbeiteten wir für etwa $4,60 per Stunde, was etwa 2,70€ entspricht. Diese Arbeit war wirklich körperlich anstrengend, und der Job war eine einzige Ausnutzung. Von unserem verdientem Geld mussten wir nämlich noch das Hostel bezahlen, was $150 in der Woche entsprach. So machten wir uns nach drei schmerzhaften Tagen auf die Reise, die Taschen gefüllt mit Zuversicht, Kaugummi, und einem lächerlickem $30 Scheck für 27 Stunden harte Arbeit. Das nächste Ziel war nur 40 km entfernt.

Die Thunderbolt Farm ist ein kleines Weingut in Stanthorpe. Die Besitzer sind Keith und Claudia. Bei ihnen wohnen wir also momentan in einem echt gemütlichen Wohnwagen. Wir arbeiten jeden Tag ein paar Stunden, und bekommen im Gegenzug jede Menge gutes Essen, Unterkunft und nette Gesellschaft vom Sohn und Verlobten, von den 3 Hunden, 2 Katzen, 7 Lämmern, 19 Kühen, 12 Gänsen, 5 Hühnern oder dem Hauslama „Elvis“.Unsere Tätigkeiten beschränken sich hauptsächlich aufs Restaurant. So hab ich in den letzten Tagen dank der Kündigung des Kochs, seinen Job übernommen, habe Weinflaschen versiegelt, habe gekellnert, habe Hühnerfänger gespielt (Grüße an dieser Stelle an Tobi, und die restlichen Iserlohner Leser), habe bescheidene Sommelier Fähigkeiten erlernt, und meine Zimmermannsfähigkeiten unter Beweis gestellt. Man könnte sagen, dass es uns hier gerade sehr gut geht, und wir uns wirklich in die Familie aufgenommen fühlen. Die Mahlzeiten die es gibt sind immer sehr lecker: Maultaschensuppe, Bratwurst, Leberkäs, Brezeln, Kassler, Schöfferhofer und Apfelstrudel stehen auf der Speisekarte, da wir das Glück haben, in einem deutschen Restaurant gelandet zu sein. Claudia ist aus der Nähe von Stuttgart, und da am vergangenen Wochenende das Oktoberfest zelebriert wurde, gab es jede Menge vorzubereiten. So haben wir in Handarbeit Spätzle gemacht, Maultaschen befüllt, Würste geschnitten, Fleisch mariniert und so weiter.

Da wir wirklich vorhaben hier längere Zeit zu verbringen (sofern das mit Keith und Claudia abgesprochen ist), könnt ihr uns telefonisch, jedoch lieber schriftlich erreichen.

Adresse:

David Osburg

c/o Keith & Claudia Beverley

Thunderbolt Farm

679 Thorndale Road

Stanthorpe 4380, QLD

 

Telefonisch könnt ihr uns erreichen, wenn ihr aus Deutschland 0061 7 4683 5102 wählt.

Mit aller Wahrscheinlichkeit wird Claudia ans Telefon gehen, sie spricht auch Deutsch, und es wird kein Problem sein verbunden zu werden. Wichtig ist aber, dass ihr wirklich auf die Zeitverschiebung achtet, nehmt dazu die Zeitzone von Brisbane. Am besten ist so die Zeit zwischen 17 Uhr Nachmittags bis 20 Uhr Abends (Brisbaner Zeit natürlich).

 

So, jetzt seid ihr auf dem aktuellsten Stand, sofern ihr wirklich alles gelesen habt :-)

Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit, und freut euch hoffentlich bald wieder etwas von mir zu hören :-)

 

4 Responses Subscribe to comments


  1. Jenny

    Hey ihr macht mich ganz neidisch :)
    klingt ja wirklich schön was ihr in der letzten zeit so alles erlebt habt!
    Bei mir ist nich so viel passiert, bin aus helsinki wieder da und die schule hat angefangen mit mehr arbeit als zuvor…
    Ich will auch mal an nem strand rum gammeln :P
    Liebe Grüße auch von Torben!

    Okt 19, 2008 @ 11:50


  2. Anne

    Alles gelesen!!! ;)
    Hört sich echt super an und die Bilder sind wirklich einfach nur traumhaft!!
    Könnte nach einer Woche Schule auch schon wieder ein wenig Entspannung vertragen :D
    Ganz ganz liebe Grüüüüße

    Okt 19, 2008 @ 14:51


  3. tobi

    na ihr zwei,
    freut mich, dass ihr nun vorerst eine bleibe gefunden habt.
    was für eine ehre speziell gegrüßt zu werden :) das kann ich natürlich nur zurück geben:) scheinst aber als hühnerfänger momentan nicht ganz erfolgreich zu sein, wir sind aktuell zweiter..öhm :p :)

    wünsche euch noch eine tolle zeit!

    gruß

    tobi

    Okt 21, 2008 @ 15:19


  4. Jojo

    Hallo ihr beiden!
    Supi wieder was von euch zu hören und gut das du die Iserlohner immer noch sehr magst ;)
    Bei mir gehts momentan jeden Tag zur Uni, Meist so bis 18 Uhr, Donnerstags auch bis 21 (wie du vll meiner SMS entnommen hast ;) )!
    Studieren ist wirklich deutlich viel anstrengender als Schule, man macht pro Tag den Stoff von einer ganzen Schulwoche und hat am Ende wahrscheinlich das meiste nicht verstanden und muss es dann zuhause nacharbeiten.
    Mein Hauptaugenmerk liegt momentan auf Mathe:
    In der Mathe, Eletrotechnik, Physik, technische Informatik und teilweise den BWL Vorlesungen wird nix anderes gemacht als Mathe in allein Variationen (Schaltalgebra, Ableiten,Integrieren, komplexe Zahlen, Binomische Sätze, Vektorrechnung etc.) zu büffeln und später in Übungen, Tutorien, Seminaren und Praktika anzuwenden und zu vertiefen.
    Dazu kommt dann noch Beschaffung und Produktion sowie Buchhaltung und Einführung in die BWL, wo es einfach nur darum geht dumme Definitionen auswendig zu lernen wie, was ist ein Unternehmen etc.
    Zum Eishockey in Essen kann ich nicht mehr viel sagen, denn das was ich beim ersten Besuch gegen Geleen gesehen habe, hat mir so gar keinen Spaß gemacht.
    100 Zuschauer, 8:2 Niederlage und keine Stimmung :D Infolgedessen bin ich der Eishalle auch fern geblieben und besuche lieber abundzu ein Handballspiel, des wohl auch bald Insolventen Tusem :( Irgendjemand will mir wohl alle Sportveranstaltungen verderben, sogar ohne David der mir meinen Ball wegnimmt :-P ^^
    Soweit erstmal von meiner Seite ;)

    Das hört sich ja von euch sehr abenteuerlich und spannend an.
    Werd mir gleich mal die Galerie vorknöpfen und mir ein Bild von den genialen Aussichten machen die ihr hattet!
    Ich hoffe ihr bleibt noch ein bisschen auf dem Weingut, dann kann ich auch meine 1,7€ Briefmarke endlich auf das seit 2 Monaten gekaufte Briefpapier kleben und den Brief zu euch runterschicken!
    Vll. ruf ich die Tage mal an, würd mich freuen mal wieder ne Vernünftige Stimme zu hören, anstatt so dumme Professoren und die ganzen Leute in Duisburg mit der ganzen Füchse-Reklame und KöPi Werbung überall *igitt*
    Ging direkt am ersten Tag los, bei der Info-Woche, Freitags Abends in der Kneipe und es gibt nur KöPi. Gottseidank musste ich fahren ;)

    Soo far,
    eine wunderschöne Zeit wünsch ich euch noch und kommt bald wieder ;)

    Jojo

    Okt 25, 2008 @ 22:33

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