Daves traveler blog

Wüstentour und Autoprobleme

Nachdem wir unser Autochaos ein wenig behoben haben komme ich endlich auch dazu einen Bericht für euch zu verfassen.

Die Nullarbor Plain war definitiv ein Erlebnis, auch wenn ich sie nicht noch ein zweites mal fahren muss. Im Endeffekt ist das keine Wüste wie in der Sahara oder Gobi, vielmehr gibt es Quadratkilometerweit nichts anderes als kleine trockene Büsche und trockenes Gras. Vereinzelt sieht man mal einen Baum, der etwas verdorrt in die Landschaft blickt, aber sonst ist das ganze echt karg. Eine weitere Besonderheit sind die Benzinpreise, die hier unglaublich hoch sind. Teilweise 60 Cent mehr als in den zivilisierteren Gegenden. Doch mit unseren aufgefüllten Ersatzkanistern mussten wir nur einmal teuer tanken. Auf dem Weg haben wir Philipp und Jasmin getroffen, die mit ihrem Van die gleiche Strecke cruisen, und da wir das gleiche Ziel hatten sind wir die Nullarbor mit ihnen zusammen gefahren. Abends fährt man also einfach etwas in diese Wüstengegend rein, damit man nicht direkt am Highway campt, und schlägt dort sein Lager auf.

An der Grenze zu Westaustralien gibt es richtig harte Kontrollen mit Autodurchsuchung – gesucht wird nicht etwa nach Drogen oder Gummibärchen, sondern nach Obst und Gemüse. Da Australien bekanntermaßen eine Insel ist, hat man hier ziemliche Probleme mit eingeschleppten Krankheiten und Tieren. Viele werden die Aggerkröte kennen, aber auch Kaninchen und Käfer bereiten hier ziemliche Probleme, da kein natürlicher Feind da ist, der die Populationen kontrollieren könnte.

Manche Gebiete in Australien sind bisher noch nicht betroffen, und diesen Zustand versucht man beizubehalten. Jedes Fahrzeug wird also kontrolliert ob man nicht die Fruchtfliege, Bienenkrankheiten oder Käfer einschleppt. Dafür wird SÄMTLICHES Obst, Gemüse und Honig konfisziert und vernichtet.

In Western Australia ging unsere Fahrt dann weiter… Viel zu berichten gibt es eigentlich nicht, alle 5 Minuten kam uns vielleicht mal ein Auto oder ein RoadTrain (Unser bisheriger Rekord 17 Achsen und eine Länge von etwa 40 Metern) entgegen. Dann kam die längste Straße ohne Kurve in Australien. Im letzten Artikel gab es dazu leider eine kleine Fehlinfo – 480km geht die Eisenbahnstrecke ohne Kurve (und ist damit die längste gradlinige Strecke der Welt), 146km schafft es die Straße. Bei einer Geschwindigkeit von etwa 90-100km/h (wir müssen Sprit sparen) sind das fast 2 Stunden ohne Knick in der Straße. Abends wurde dann noch ein kleines Lagerfeuer gemacht und am dritten Tag ging es dann auf zur dritten und letzten Etappe nach Esperance. Dort wurden Wasser, Lebensmittel und Benzin aufgefüllt und wir machten uns auf zum Cape le Grand Nationalpark. Die Lucky Bay soll als einer der schönsten Strände der Welt gewertet worden sein, wir fanden ihn zwar schön, aber es gibt echt schönere. Alles war voller stinkendem Seegras und die blöden Allradfahrzeuge brezeln über den Sand. Trotzdem verbrachten wir einen schönen Tag am Strand und fuhren auch bald weiter nach Albany, wo wir den Australiaday verbrachten. Zu erwähnen wäre vielleicht noch ein weiterer Zufall in Australien… Als wir vor Albany eine Pause machten, wer steht da an der Tankstelle? Jenny und Yvonne. Ohne vorher Absprache zu halten oder zu telefonieren trafen wir uns dann auch in Albany wieder, wo man Abends eine deutsche Runde abhielt. Da unser Auto jetzt anfing komische Geräusche zu machen, sobald die Kupplung getreten wurde, schauten wir bei einem Mechaniker rein, der dann auch unser Getriebe für tot erklärte.

Ein schwerer Schock für uns, da Ersatzteile für unseren Wagen rar sind und so eine Diagnose oft das Todesurteil für ein so altes Auto wie unseres ist. Nachdem er ewig rumtelefonierte verkündete er uns freudenstrahlend, dass er ein passendes Getriebe aufgespürt hätte, das ganze würde nur $1100 kosten. Plus Einbau und weiterer Kleinigkeiten (ein kleines Benzinleck und ein Löchlein im Auspuff) hätte uns der Spaß also locker $1500 gekostet. Wir haben es dann erstmal sacken lassen und haben die Möglichkeiten bedacht. Schlussendlich gab es aber keine andere Möglichkeit als den Wagen reparieren zu lassen, da man eine Karre, die sich so anhört nicht für Geld verkaufen kann. Allerdings wollten wir die Reparatur nicht in Albany sondern in Perth durchführen lassen, da wir auf einen günstigeren Preis hofften.

Wir waren auf dem Weg, als uns der nächste Schicksalsschlag ereilte – ab und an mal roch es ein wenig verschmort in unserem Cockpit, jedoch konnten wir nie etwas finden was kokelt. An einer Tankstelle habe ich dann einen Routinecheck gemacht, Flüssigkeitskontrolle, Keilriemen OK, Reifendruck etc. Dabei ist mir ein loses Zündkabel aufgefallen, das ziemlich locker in der Verteilerkappe hing. Als ich es anfasste konnte ich es einfach herausziehen, es war komplett weggekokelt. Nun zur Erklärung warum wir es nicht schon früher gemerkt haben:

Unser Auto ist einfach nur einmalig, ein seltener 2,4l „TwinSpark“ Vierzylindermotor treibt unsere weiße Rennrosine an. Die Besonderheit ist, dass er acht Zündkerzen hat, also zwei pro Zylinder. Da eine ausgefallen ist, zündet die andere noch normal weiter, der Unterschied fällt kaum auf.

Bei der nächsten Werkstatt hielten wir an und ließen den Mechaniker drüberschauen. Nach ein paar Telefonaten war klar, dass es im gesamten Westen diese Kappe nicht gab, und sie erst rübergeflogen werden müsste.

Wir fuhren trotzdem weiter in der Hoffnung, dass sich das ganze in Perth etwas besser anhören würde.

In Perth angekommen ging dann der Spießrutenlauf los. Wir tingelten von Mechaniker zu Mechaniker um unser Auto wieder in Schuss zu bringen. Bei einem Japanischen Schrottplatz wurden wir fündig, er konnte uns ein Getriebe für $770 besorgen (immerhin fast $400 Unterschied). Die Verteilerkappe gab es nur noch als Nissan-Original für $150, aber zumindest wussten wir, dass die Teile existierten. Wir bestellten das Getriebe und machten uns auf die Suche nach einem Mechaniker, der uns das Teil einbaut. Nach etwa 6 oder 7 Versuchen (davon etwa 5 mit Testfahrten der Mechaniker die allesamt bestätigten, dass es das Getriebe ist, was den Geist aufgibt) wurden wir an einen Spezialisten weiterverwiesen. Nach einer weiteren Testfahrt stand die Diagnose seinerseits: Getriebe ist okey, Kupplung ist kaputt.

In dem Sinne gute Neuigkeiten, da uns das ganze viel günstiger kommt. Also wurde das Getriebe wieder abbestellt, ein Termin beim Spezialisten gemacht und ein Hostel in Perth organisiert. Für den Tag den wir ohne unser Auto verbrachten buchte ich ein paar Tauchgänge, Sonja mietete sich auf einer Delfintour ein.

So gaben wir dann frühmorgens unser Auto ab und machten uns auf in die City, wo Temperaturen auf uns warteten die gewöhnungsbedürftig waren. 42°C im Schatten, der Asphalt und die Hochhäuser machten das laufen in der Stadt zur Qual. So setzten wir uns in unser Hostelzimmer (mit dem ungewöhnlichen Luxus einer Klimaanlage) und verbrachten den Tag im Bett (die Nächte davor waren unglaublich warm und wir hatten definitiv mehrere Mückenfamilien zu Besuch, die sich ein Festmal aus Davids Blut bereitet hatten).

Morgens früh wurde ich zum Tauchen abgeholt. Ein Boot brachte unsere Gruppe aufs Meer vor der Insel Rottnest, und wir machten zwei schöne Tauchgänge. Kleine Höhlen, Riesige Korallenbögen durch die man durchtauchen konnte, schöne Fische, Stachelrochen und Hummer waren zu sehen. Abends erreichte uns dann die Nachricht, dass unser Auto noch nicht fertig sei, es gab ein paar Probleme mit der Verteilerkappe (wie gesagt, seltene Teile). Wir suchten uns mit biegen und brechen eine Nachtunterkunft (fast alles war ausgebucht). Zehn Hostels riefen wir an, aber alle waren dicht, also sind wir ins nächstbeste reingestiefelt und haben dem Typen an der Rezeption erklärt, dass wir keine Bleibe für die Nacht haben, und nicht große Lust hätten auf der Straße zu schlafen, wodrauf er uns zwei Betten in verschiedenen Zimmern zu horrenden Preisen verkaufte. Das gesamte Hostel war schrottig, für $62 die Nacht hatten wir eigentlich ein wenig Sauberkeit erwartet, leider hatten wir aufs falsche Pferd gesetzt. Wir hatten vor in der Küche unser Abendessen zu kochen, als ich entdeckte, dass mitten in der Küche auf den Tisch gekotzt wurde, das ganze war aber schon ein wenig älter und lag schon ewig dort. Der Appetit war uns gründlich vergangen, wir aßen dann bei Mc Donald zu Abend. Das ganze Hostel war mit betrunkenen Engländern voll, Sonja stolperte morgens beim Aufstehen dann auch nochmal über einen Kotzfleck direkt vor ihrer Tür. Da wussten wir, was für ein Glück wir es eigentlich mit unserem kleinen sauberen Campervan hatten. Als wir die Nacht überstanden hatten ging es am nächsten Morgen auf zur Werkstatt, die aber immer noch an unserer Verteilerkappe arbeiteten. Keine der Kappen passte (nicht mal die originale von Nissan). Die Sekretärin kutschierte uns ins nahegelegene klimatisierte Einkaufszentrum, wo wir ein wenig in Buchläden herumstöberten. Endlich kam der Anruf, dass die Verteilerkappe repariert sei und wir wurden wieder abgeholt. In der Verzweiflung keine passende Kappe zu finden hatten die Mechaniker einfach die Basis von unserer kaputten abgesägt und auf die neue draufgeklebt. Pragmatisch aber wirkungsvoll. Auch die Rechnung von $850 hörte sich gut an. Alles in allem kam uns die Reparatur also auf etwa $1000 (mit Hostel, Essen usw…) und es wurden alle Schadstellen beseitigt, die uns Sorge bereitet hatten.

Ein Dankeschön an meinen Opa und meine Eltern, die mir sehr geholfen haben diese finanzielle Hürde zu nehmen.

Wie ihr bestimmt schon gesehen habt, habe ich auch die Fotos wieder aktualisiert und so seid ihr auch fast wieder auf dem neusten Stand .

3 Responses Subscribe to comments


  1. Sebastian

    =D ach david alte kackbrine….freut mich dass du auch mal mit scheiß-autos zu tun hast – nur zur info: ich bekomm jetzt ein neues und die wunderbare roterennkarre kommt in die tonne =(
    in diesem sinne: liebe grüße aus berlin

    Mär 03, 2009 @ 14:43


  2. Jojo

    Warum schreibt denn keiner was tz…
    Klingt ganz schön nach Abenteuer!
    Mir reicht da ja schon Zugbingo mit der deutschen Bahn :D
    Aber seit wir neue Züge auf der S9 haben war die bisher immer überpünktlich :)
    Aber dafür kann man ab Essen HbF spielen a) welcher Zug verspätet ist und b) welches Gleis heute mit Bauarbeiten 2 Wochen gesperrt ist damit es hinterher genauso grau und kacke aussieht wie vorher :D

    Dein treuer Fan ;)

    Jojo

    Mär 07, 2009 @ 01:55


  3. Nico

    Nach der Ansage von Jojo will ich nicht lumpen lassen.

    Ein fröhliches Mahlzeit aus der Heimat!!

    Da habt ihr ja zum Schluss noch einen kompetenten Mechaniker gefunden der dann doch die richtige Diagnose gestellt hat.
    An dieser Stelle wünsche ich weiterhin Gute Fahrt.

    Apropos Bingo: Mit NuttenBingo ist auch bald nix mehr. Der Kirmesplatz ist fast fertig und “bald” werden die Damen des horizontalen Gewerbes ihren Dienst hinter Gittern tun.

    Nun denn viel Spaß noch auf eurer Reise!!!

    Grüße aus Essen
    Nico

    Mär 07, 2009 @ 18:20

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