Daves traveler blog

Schusswaffen, Verkehrsregeln und tote Tiere

Mittlerweile bin ich in in der Hauptstadt Kambodschas, Phnom Penh. In den letzten Tagen habe ich eigentlich volles Programm gehabt: Wie in der letzten Meldung beschrieben habe ich mir meine kostenlose 1,5stündige Massage abgeholt und mich dann in Richtung Flughafen aufgemacht. Da fliegen mittlerweile für mich schon irgendwie was normales geworden ist, habe ich die Zeit bis zum Abflug etwas relaxt, bin in die Maschine gestiegen und planmäßig in Saigon (offiziell Ho Chi Minh City) gelandet.

Doch da fingen die Probleme an: Ich wusste zwar, dass man für das Visum in Vietnam bezahlen muss, man musste ja bereits vorher eine Einreiseerlaubnis „kaufen“, jedoch bin ich davon ausgegangen, dass ein Geldautomat vorhanden sei – dem war leider nicht so. Nun stand ich vor einem kleinen Problem, da ohne harte US Dollar kein Visum ausgegeben wird. Nachdem ich den Millitärs mit Händen und Füßen klargemacht hatte, dass ich zum nächsten Geldautomaten gehen muss um mein Visum zu kaufen ließ man mich (natürlich ohne Pass und Gepäck) zum Automaten außerhalb des Flughafens gehen. Nachdem ich als frischgebackener Millionär (1mio vietnamesische Dong sind etwa 40 Euro) wieder auf den Rückweg zum Schalter machte, konnte ich den überhöhten Preis (da es ja keine US Dollar waren) zahlen, und habe meinen Aufkleber in den Pass bekommen.

Naja, ziemlich verwirrt kam ich dann aus dem Flughafengebäude und wurde natürlich direkt von Taxifahrern überfallen. Leicht perplex ließ ich mich dann auch sprichwörtlich verladen, mehr als 12 US Dollar zahlte ich für ein Taxi vom Flughafen in die City, hier ist das ein unglaublich hoher Preis. Zudem teilte ich mir das Taxi auch noch mit einem Neuseeländer, der den gleichen Preis bezahlte. Mit einer Fahrt hat dieser Fahrer ungelogen etwa ein sechstel seines gesamten Monatsgewinns gemacht! Als ich einstieg fragte ich mich wofür man in einer Stadt als Taxifahrer ein Allradfahrzeug braucht – als der Taxifahrer losfuhr wusste ich es… Rote Ampeln haben keinerlei Bedeutung für Verkehrsteilnehmer, Bürgersteige existieren nur deswegen, damit Taxifahrer bei Stau auf sie ausweichen können, und die einzige geltende Regel – Der größere/stärkere hat Vorfahrt.

Jedenfalls stand ich nun auf den absolut chaotischen Straßen Vietnams mit vollem Gepäck, wobei einem schon das pure rumstehen das Tshirt durchschwitzt. Im Reiseführer suchte ich mir ein günstiges Hostel aus, welches aber wie ich feststellen musste nicht nur voll war, sondern auch die Preise verdoppelte. Also wieder raus zu den hunderten Motorradfahrern, die einen in jeder Situation eine Fahrt aufschwatzen wollen. Endlich fand ich ein einigermaßen günstiges Hotel mit Klimaanlage und eigenem Bad und aß im angrenzenden Restaurant günstig zu Abend.

Der nächste Tag war der Tag des Sightseeings. Früh Morgens buchte ich erstmal das Ticket nach Cu Chi, dann ging es zum Reunification Palace, der eher an ein Museum aus der DDR erinnerte. Es war nur mäßig interessant, da irgendwie nichts ausgestellt wurde. Zu Fuß machte ich mich dann auf ins Kriegsgeschädigten Museum, was den Eintritt mehr als wert war. Es war eines der erschütterndsten Museen die ich besuchte und zeigt die Grausamkeiten die der Krieg, insbesondere die Amerikanische Seite, über das Land gebracht hat.

Erschreckende Fotos und Artefakte zeigen grausam realistisch wie damals unschuldige Zivilisten gemeuchelt wurden.

So zählten Minen, Waffen, Fotos zu den Ausstellungsobjekten, aber auch Fehlgeburten die durch amerikanische chemische Kriegsführung (Agent Orange) entstanden sind.

Nach diesen Eindrücken muss man erstmal durchatmen.

Nachdem der Flüssigkeitshaushalt wieder aufgestockt war ging es weiter zum Markt. Hunderte kleine Buden verkaufen alles menschenerdenkliche, als Tourist ist man dort Ziel Nummer eins für aggressive Verkaufsversuche. Ich konnte der Versuchung widerstehen 5 Kilo Kaffee oder einen luftgetrockneten Stinkefisch zu kaufen, und leistete mir eine dampfende Schüssel Phó, Reisnudeln in Brühe mit Gemüse und Fleisch, an einem der kleinen Strassenstände.

Wieder auf dem Rückweg zum Hotel buchte ich dann noch die Fahrt nach Cu Chi bzw nach Phnom Penh in Kambodscha.

Am nächsten Tag hieß es früh aufstehen, der Bus nach Cu Chi holte mich ab.

In Cu Chi sind die bekannten Tunnelsysteme, die die Vietcongs dazu nutzten um sich vor den amerikanischen Attacken zu verstecken oder um unbemerkt von A nach B zu gelangen.

Der Führer sprach gutes Englisch und erklärte uns alles recht gut. Wir schauten uns erst ein kommunistisches Propagandavideo an, welches die Abschlachtung amerikanischer Soldaten pries, dann wurden wir durchs Gelände geführt. Ein Mitarbeiter zeigte uns wie gut versteckt die Tunneleingänge wirklich waren und wie eng teilweise einige waren. Auf dem Schießplatz konnte man die Waffen des Krieges selbst ausprobieren, was ich natürlich nutzte. Wo sonst kriegt man die Gelegenheit Hand an eine M16 zu legen, geschweigedenn eine geladene…

Nach 10 verschossenen Patronen und jeder Menge Adrenalin im Blut ging es dann endlich unter Tage in den 150 Meter langen Tunnel. Alle 30 Meter gab es einen Ausgang und der Tunnel war spärlich bis garnicht beleuchtet, absolut klaustrophobisch. Nur wenige hielten es in der Enge bis zum Ende durch, ich aber schon. :-)

Nassgeschwitzt und froh wieder am Tageslicht zu sein, konnte man sich nicht vorstellen, dass die Tunnel in Wirklichkeit um die Hälfte kleiner und enger waren – für die fetten Westerner wurden sie ums doppelte vergrößert…

Bei einer Abschließenden Teestunde tranken wir lokalen Tee und kosteten eine komische Frucht deren Namen ich leider vergessen habe, die nach Kastanie schmeckte und mit Zucker Salz und Erdnuss gegessen wurde. Im Souveniershop hatte ich dann die Gelegenheit echten Snakewine zu trinken, also Schnaps mit allerlei toten Tieren drinnen… So schlecht wie es aussieht war es jetzt nicht, auch wenn es definitiv nicht mein Lieblingsgetränk werden wird.

Dreckig und geschwitzt ging es wieder in den Bus nach Saigon, wo ich den Nachmittag mit einem Argentinier verbrachte, denn wir beide warteten auf unseren Anschlussbus. Meiner ging erst um 10 Uhr Abends, deswegen hatte ich genug Zeit.

2 Responses Subscribe to comments


  1. Jojo

    Nicht schlecht, klingt ja echt abenteuerlich!
    Freue mich schon auf Fotos :)
    Hoffe dir geht es wieder besser und die (Schweine?)Grippe ist wieder abgeklungen!
    Lieben Gruß

    Jojo

    Mai 26, 2009 @ 14:56


  2. DaveOst

    Fotos sind Online, und die Schweinegrippe ist auch weg. Fahr jetz nach Bangkok, liebe Gruesse

    Mai 27, 2009 @ 01:43

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